Amazon Buy Box gewinnen: die entscheidenden Faktoren
Zwei Händler, dieselbe ASIN, fast derselbe Preis - einer verkauft, der andere nicht. Verantwortlich ist das Einkaufswagen-Feld auf der Produktseite, das Amazon immer nur einem Anbieter zuteilt: die Buy Box. Wer sie hat, bekommt den Klick auf “In den Einkaufswagen”, alle anderen landen in der Anbieterliste, die kaum ein Käufer aufklappt. Über die Zuteilung entscheidet ein Bündel von Faktoren, dessen Formel Amazon nie veröffentlicht hat. Bekannt und beobachtbar sind fünf: Preis inklusive Versand, Versandart, Lieferzeit, Verkäufer-Performance und Verfügbarkeit. Der Preis ist der Faktor, den Sie am schnellsten bewegen können - er ist aber eben nur einer von fünf.
Was ist die Amazon Buy Box und wer qualifiziert sich dafür
Die Buy Box ist der Kaufbereich rechts auf der Produktseite. Pro ASIN steht dort genau ein Angebot, und über dieses Angebot läuft der Löwenanteil der Verkäufe - Amazon nennt keine Zahl dazu, in der Branche kursieren Werte jenseits von 80 Prozent.
Bevor die Faktoren überhaupt greifen, müssen drei Bedingungen erfüllt sein. Sie brauchen den Verkaufstarif “Professionell” (39 Euro im Monat zzgl. MwSt.), der Artikel muss als neuwertig gelistet sein - gebrauchte Artikel konkurrieren um ein eigenes Einkaufswagen-Feld - und er muss lieferbar sein. Fehlt eine davon, ist die Buy Box kein Wettbewerb, sondern gar keine Option.
Und sie ist keine Ja-Nein-Sache. Liegen mehrere Anbieter dicht beieinander, rotiert Amazon das Feld zwischen ihnen. Seller Central weist deshalb einen Buy-Box-Anteil in Prozent aus: 60 Prozent heißt, bei sechs von zehn Seitenaufrufen stand Ihr Angebot im Einkaufswagen-Feld. Die Frage lautet also selten “Buy Box ja oder nein”, sondern “welchen Anteil halte ich”.
Preis und Versandkosten: warum der Landed Price entscheidet
Amazon vergleicht nicht den Artikelpreis, sondern den Gesamtpreis für den Käufer: Artikelpreis plus Versandkosten. Ein Angebot für 19,90 Euro mit 4,90 Euro Versand ist in dieser Rechnung teurer als eines für 23,90 Euro versandkostenfrei. Wer über den Versand querfinanziert, verliert im Buy-Box-Vergleich, obwohl er in der Artikelpreis-Spalte vorne steht.
Der günstigste Gesamtpreis führt aber nicht automatisch zur Buy Box. Ein FBA-Angebot behauptet sich regelmäßig gegen ein günstigeres Angebot aus eigenem Versand - wie groß der Preisvorsprung sein muss, ist nirgends festgeschrieben und schwankt je nach ASIN.
Nach oben gibt es ebenfalls eine Grenze. Liegt der Preis deutlich über dem sonst üblichen Marktniveau, blendet Amazon das Einkaufswagen-Feld komplett aus; Käufer sehen dann nur noch “Alle Kaufoptionen anzeigen”. Das trifft vor allem Alleinanbieter, die annehmen, ohne Wettbewerb sei der Preis egal. Ohne Buy Box bricht die Conversion ein, auch wenn Sie der einzige Anbieter sind.
Versandart und Lieferzeit: der FBA-Vorteil bei der Buy Box
Bei FBA übernimmt Amazon Lagerung, Versand und Retouren - und bewertet damit die Versandleistung praktisch selbst. FBA-Angebote tragen das Prime-Logo, versprechen kurze Lieferzeiten und halten die Buy Box oft auch dann, wenn sie ein paar Prozent teurer sind als der günstigste Händlerversand.
Wer selbst versendet, muss diesen Rückstand über zwei Stellschrauben aufholen: über den Preis und über die versprochene Lieferzeit. Die Bearbeitungszeit ist dabei der unterschätzte Hebel. Von drei auf einen Werktag herunterzugehen, verkürzt das Lieferversprechen um zwei Tage - und genau dieses Versprechen sieht der Algorithmus, nicht Ihren guten Willen. Seller Fulfilled Prime bringt das Prime-Logo auch für Eigenversender, verlangt aber harte Zusagen bei Tempo und Pünktlichkeit. Was Amazon für schnelle Versandarten fordert und wie sich die Freischaltung praktisch auswirkt, zeigt unser Praxisfall zum Premiumversand.
Verkäufer-Performance: welche Kennzahlen auf die Buy Box wirken
Für die Buy Box nennt Amazon keine Schwellenwerte. Für die Kontoperformance schon: Die Rate der Bestellmängel (ODR) soll unter 1 Prozent liegen, die Rate verspäteter Lieferungen unter 4 Prozent, die Rate der vom Verkäufer stornierten Bestellungen unter 2,5 Prozent. Wer diese Werte reißt, verliert erfahrungsgemäß zuerst Buy-Box-Anteil und irgendwann das Konto.
Diese Kennzahlen sind träge. Sie werden in rollierenden Zeitfenstern berechnet, eine schlechte Woche schleppen Sie also wochenlang mit - und eine Verbesserung wirkt genauso verzögert. Performance ist damit ein Faktor, den Sie durchaus steuern können, nur eben nicht heute Nachmittag. Wie schnell einzelne Vorfälle Schwellenwerte kippen können, haben wir am Fall einer negativen Retouren-Bewertung durchgerechnet.
Welche Buy-Box-Faktoren Sie steuern können - und welche nicht
Die nützlichste Sortierung ist nicht “wichtig oder unwichtig”, sondern “wie schnell komme ich da ran”.
Innerhalb von Stunden steuerbar:
- der Landed Price
- Lagerbestand - ein ausverkaufter Artikel hat keinen Buy-Box-Anteil, sondern schenkt ihn der Konkurrenz
- Bearbeitungszeit und angebotene Versandart
- die Reaktionsgeschwindigkeit auf Preisänderungen der Wettbewerber
Über Wochen bis Monate steuerbar:
- ODR, Verspätungsrate, Stornoquote
- Verkäuferbewertungen
- der Umstieg auf FBA oder Seller Fulfilled Prime
Gar nicht steuerbar:
- ob Amazon selbst auf der ASIN verkauft
- was die Konkurrenz als Nächstes tut
- die Gewichtung, mit der Amazon all das verrechnet
Deshalb drehen die meisten Händler zuerst am Preis. Nicht, weil er der wichtigste Faktor wäre, sondern weil er der einzige ist, den Sie mehrmals täglich ändern können, ohne etwas an Ihrem Betrieb zu ändern.
Warum ein Repricer allein die Buy Box nicht gewinnt
Ein Repricer bewegt genau einen Faktor. Steht Ihre Kontoperformance schlecht, dauert Ihre Lieferung fünf Tage oder ist der Artikel nicht auf Lager, gewinnen Sie das Einkaufswagen-Feld auch als günstigster Anbieter nicht. Der Repricer arbeitet dann sauber und trotzdem vergeblich - er senkt nur Ihre Marge.
Stimmen die übrigen Faktoren, kippt der Preis die Zuteilung tatsächlich. Und zwar ständig, weil die Konkurrenz laufend nachzieht: Wer morgens der günstigste FBA-Anbieter war, ist mittags der drittgünstigste. Ab ein paar hundert ASINs mit wechselndem Wettbewerb ist Preispflege von Hand ein Vollzeitjob - und selbst dann langsamer als jedes Tool.
Umgekehrt: Bei fünf Artikeln und einem einzigen Wettbewerber brauchen Sie keinen Repricer, sondern ein Lesezeichen auf die Produktseite. Der Aufwand lohnt sich erst, wenn die Konkurrenz schneller nachzieht, als Sie es beobachten können. Welcher Repricer-Typ dann passt, ist eine eigene Entscheidung - die Grundsatzfrage klären wir im Vergleich von Cloud- und Desktop-Repricern.
So macht das der PRICEPARSER
Der PRICEPARSER ist eine Windows-Software, die lokal auf Ihrem Rechner läuft. Sie hinterlegen pro Artikel oder Produktgruppe einen Mindest- und einen Höchstpreis, den Preisabstand und die Frequenz, in der die Software gegen die Konkurrenz abgleicht. Regeln lassen sich auf bestimmte Wettbewerber beziehen, etwa auf den günstigsten FBA-Anbieter statt auf jeden Händlerversand-Preis. Danach läuft der Automatik-Modus durch, ohne dass jemand zusieht.
Was der PRICEPARSER nicht kann: Ihre Bearbeitungszeit verkürzen, Ihre Retourenquote senken oder Amazon von der eigenen ASIN vertreiben. Er bedient den einen Faktor, der sich im Takt des Marktes bewegt - und überlässt Ihnen die vier anderen.
Die Lizenz kostet eine feste Monatsgebühr ab 19 Euro zzgl. MwSt., unabhängig vom Umsatz, monatlich kündbar. Testen Sie den PRICEPARSER 14 Tage kostenlos und sehen Sie, wie sich Ihr Buy-Box-Anteil bewegt, wenn der Preis nicht mehr bremst.
Häufige Fragen
Kann Amazon selbst mir die Buy Box wegnehmen?
Zählen Produktbewertungen für die Buy Box?
Wie schnell wirkt eine Preisänderung auf die Buy Box?
Was passiert mit der Buy Box im Urlaubsmodus?
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