Buybox-Anteil messen und richtig interpretieren
Der Repricer läuft seit vier Wochen, die Preise sind unten, die Buybox haben Sie sichtbar öfter - und der Kontostand sagt trotzdem nichts Gutes. Genau deshalb ist der Buybox-Anteil eine Kennzahl, die man nicht allein lesen darf. Er gibt an, bei wie viel Prozent der Seitenaufrufe einer ASIN Ihr Angebot im Einkaufswagen-Feld stand, und Amazon weist ihn in den Business-Berichten auf Artikelebene aus. Aussagekraft bekommt er erst neben einer zweiten Zahl: dem Deckungsbeitrag, den Sie für diesen Anteil bezahlt haben.
Was ist der Buybox-Anteil und wie berechnet Amazon ihn?
Der Buybox-Anteil ist ein Prozentwert je ASIN und Zeitraum. 60 Prozent heißt: Bei sechs von zehn Aufrufen der Produktseite stand Ihr Angebot im Einkaufswagen-Feld, bei vier von zehn das eines Mitanbieters.
Die Bezugsgröße sind Seitenaufrufe, nicht Zeit und nicht Verkäufe. Der Unterschied ist praktisch relevant: Wenn Ihr Anteil vor allem nachts liegt und die Konkurrenz die Vormittage hält, sieht der Tageswert ordentlich aus, während Ihnen die kaufstarken Stunden entgehen.
In neueren Oberflächen und Berichten firmiert die Buybox bei Amazon als “Featured Offer”. Gemeint ist dieselbe Kennzahl, die Spaltenbezeichnung wechselt je nach Version und Sprache.
Wo finde ich den Buybox-Anteil in Seller Central?
Amazon führt den Wert in den Business-Berichten, im Bericht zu Verkäufen und Traffic auf Detailseiten-Ebene. Dort steht je ASIN eine Spalte mit dem Buy-Box-Prozentsatz, neben Sitzungen, Seitenaufrufen, verkauften Einheiten und der Conversion. Den Zeitraum wählen Sie selbst, den Bericht laden Sie als CSV herunter.
Drei Eigenschaften dieser Quelle sollten Sie kennen, bevor Sie Entscheidungen darauf stützen.
- Tagesraster. Die Berichte laufen tageweise. Einen Live-Wert oder eine Stundenauflösung gibt es dort nicht.
- Nur die eigene Sicht. Der Bericht zeigt Ihren Anteil, nicht den Verlauf des Wettbewerbs. Warum der Wert gefallen ist, steht nirgends.
- Keine Kostenseite. Amazon kennt Ihren Einkaufspreis nicht. Deckungsbeitrag und Anteil zusammenzubringen, ist Ihre Aufgabe, nicht die des Berichts.
Was ist ein guter Buybox-Anteil?
Amazon nennt keinen Zielwert - jede Zahl dazu ist Erfahrungswert, keine offizielle Vorgabe. Als grobe Orientierung: Auf ASINs mit mehreren aktiven Mitanbietern gelten 70 bis 90 Prozent als solide, dauerhaft unter 50 Prozent läuft meist etwas Grundsätzliches schief.
Diese Spanne taugt aber nur als erste Sortierung, denn die Ausgangslage ist je ASIN völlig verschieden. Verkauft Amazon selbst auf der ASIN mit, sind 30 Prozent kein Betriebsunfall, sondern das Erreichbare. Sind Sie Alleinanbieter, sind 100 Prozent kein Verdienst. Der aussagekräftigste Vergleich ist deshalb nicht der mit einem Benchmark, sondern der mit Ihrem eigenen Wert von letzter Woche, bei sonst gleichem Sortiment.
Buybox-Anteil und Marge: warum 100 Prozent ein Warnsignal sind
Ein hoher Anteil ist kein Selbstzweck. Er kostet etwas, und was er kostet, steht in derselben Zeile Ihrer Kalkulation.
Ein Rechenbeispiel. Eine ASIN erzeugt im Monat 200 Verkäufe über alle Anbieter hinweg. Bei einem Preis von 29,90 Euro bleiben Ihnen 3,84 Euro Deckungsbeitrag je Stück, und Sie halten 70 Prozent Buybox-Anteil: 140 Stück, macht 537,60 Euro Deckungsbeitrag im Monat. Jetzt senken Sie den Preis auf den Mindestpreis von 27,24 Euro, der Anteil steigt auf 100 Prozent, der Deckungsbeitrag fällt auf die dort kalkulierten 2,00 Euro: 200 Stück, macht 400 Euro. Anteil plus 43 Prozent, Ertrag minus 26 Prozent.
Damit die zweite Variante die erste einholt, bräuchten Sie bei 2,00 Euro je Stück 269 Verkäufe für dieselben 537,60 Euro - ein Drittel mehr, als die ASIN hergibt. Bei 100 Prozent Anteil ist der Markt aber ausgeschöpft. Der Preis müsste den Gesamtabsatz heben, nicht nur Ihren Anteil daran. Das tut er selten.
Die Kennzahl, die tatsächlich zählt, ist also nicht der Anteil, sondern der Deckungsbeitrag je ASIN und Monat. Der Anteil ist eine Zwischengröße auf dem Weg dorthin. Wer ihn isoliert steigert, kauft Umsatz mit Marge - und merkt es erst, wenn die Menge stimmt und die Zahlen darunter nicht. Voraussetzung für diese Rechnung ist eine saubere Untergrenze; wie sich der Mindestpreis für einen Amazon-Artikel kalkulieren lässt, rechnet ein eigener Beitrag durch.
Buybox-Anteil je ASIN auswerten statt Durchschnitt über das Sortiment
Ein Durchschnittswert über 500 ASINs ist die nutzloseste Zahl in diesem Bericht. 78 Prozent im Mittel klingen ordentlich und können bedeuten, dass 30 ASINs bei 20 Prozent stehen - ausgerechnet die 30, die 40 Prozent Ihres Umsatzes tragen. Das arithmetische Mittel gewichtet den Ladenhüter mit drei Seitenaufrufen genauso wie den Bestseller mit dreitausend.
Praktikabel ist ein anderer Weg: Bericht als CSV ziehen, nach Sitzungen oder Umsatz absteigend sortieren und ausschließlich die Buybox-Spalte der Top-Artikel ansehen. Alles unter etwa 100 Seitenaufrufen im Zeitraum ist statistisches Rauschen und gehört nicht in die Bewertung. Diese Trennung deckt sich mit der Sortierung in Fast und Slow Mover, mit der jedes saubere Repricing-Setup für Einsteiger ohnehin beginnt.
Buybox-Anteil eingebrochen: die häufigsten Ursachen
Ein Einbruch hat fast immer eine von fünf Ursachen: ein neuer Mitanbieter auf der ASIN, leerer oder knapper Lagerbestand, ein Preis oberhalb des marktüblichen Niveaus, gerissene Performance-Kennzahlen - oder Amazon verkauft die ASIN inzwischen selbst. Welche dieser Größen wie auf die Zuteilung wirken, steht in unserem Beitrag zu den Faktoren der Amazon Buy Box.
Für die Diagnose hilft der Verlauf mehr als der Wert. Die zeitliche Signatur grenzt die Ursache erstaunlich zuverlässig ein:
- Über Nacht auf nahe null, eine einzelne ASIN: Bestand leer oder Angebot inaktiv. Als Erstes den Lagerbestand prüfen, nicht den Preis.
- Schleichender Rückgang über ein bis zwei Wochen: ein Mitanbieter unterbietet Sie systematisch. Angebotsübersicht der ASIN aufrufen und sehen, wer dazugekommen ist.
- Einbruch quer über das ganze Sortiment am selben Tag: kein Preisproblem, sondern der Kontozustand. Kennzahlen wie die Bestellmängelrate wirken auf alle Angebote gleichzeitig.
Der Reflex, bei jedem Rückgang am Preis zu drehen, ist der teuerste. In drei der fünf Fälle bringt eine Preissenkung die Buybox überhaupt nicht zurück - sie senkt nur die Marge auf den Verkäufen, die Sie ohnehin noch machen.
So macht das der PRICEPARSER
Den Buybox-Anteil berechnet der PRICEPARSER nicht - die Kennzahl gehört Amazon, und der Business-Bericht bleibt die Quelle. Was die Software beim Abgleich sieht, ist der aktuelle Zustand: ob Ihr Artikel gerade in der Buybox steht.
Daraus wird ein Schalter. Unter Abgleich/Zustände lässt sich einstellen, dass Artikel, die bereits in der Buybox stehen, beim Preisabgleich nicht an Amazon gesendet werden. Eine gewonnene Position wird dann nicht durch weitere Preissenkungen erkauft, die niemand verlangt hat. Genau der Fall aus der Rechnung oben. Dazu kommen Mindest- und Maximalpreis je Artikel, der Orientierungswert “Min. Preis ohne Verlust” sowie die Vergleichsmatrix für Standard- und FBA-Konkurrenten, mit der Sie festlegen, gegen wen überhaupt gerechnet wird.
Die Lizenz kostet fest ab 19 Euro zzgl. MwSt. im Monat, unabhängig vom Umsatz. Testen Sie den PRICEPARSER 14 Tage kostenlos und vergleichen Sie den Buybox-Anteil im Business-Bericht danach mit dem Deckungsbeitrag, der dabei herauskommt.
Häufige Fragen
Sehe ich den Buybox-Anteil meiner Konkurrenten?
Wie oft sollte ich den Buybox-Anteil kontrollieren?
Ist ein Buybox-Anteil von 100 Prozent bei einem Alleinanbieter aussagekräftig?
Brauche ich ein Extra-Tool, um den Buybox-Anteil zu tracken?
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