Mindestpreis berechnen: die Formel für Amazon-Händler
Ein Repricer senkt Preise so lange, wie Sie ihn lassen. Die einzige Grenze, die ihn stoppt, ist der Mindestpreis, und den liefern Sie. Er ist der Bruttoverkaufspreis, bei dem nach Mehrwertsteuer, Amazon-Gebühr, Versand, Einkauf, Verpackung, Retouren und Werbung noch der Deckungsbeitrag übrig bleibt, den Sie für diesen Artikel sehen wollen. Wer ihn schätzt statt ihn zu rechnen, merkt den Fehler erst im Quartalsabschluss.
Was ist der Mindestpreis bei Amazon?
Der Mindestpreis ist die Untergrenze, unter die kein automatischer Preisabgleich gehen darf. Er ist nicht dasselbe wie der Break-even-Preis. Der Break-even ist der Punkt, an dem ein Verkauf null Euro einbringt: alle Kosten gedeckt, kein Cent Gewinn. Der Mindestpreis liegt darüber, weil Sie an jedem Artikel etwas verdienen wollen.
Den Break-even als Mindestpreis einzutragen, ist ein verbreiteter Kunstfehler. Landet der Repricer dort, verkaufen Sie zwar ohne Verlust, finanzieren aber Lager, Buchhaltung, Retourenbearbeitung und Ihr eigenes Gehalt aus anderen Artikeln quer. Bei einem Bestseller, der 40 Prozent Ihres Volumens ausmacht, geht diese Rechnung nicht auf.
Welche Kosten gehören in die Mindestpreis-Berechnung?
In die Kalkulation gehört alles, was durch den einzelnen Verkauf entsteht. Sieben Blöcke:
- Mehrwertsteuer auf den Bruttoverkaufspreis, in Deutschland meist 19 Prozent.
- Amazon-Verkaufsgebühr, prozentual vom Bruttopreis. Der Satz hängt an der Kategorie und reicht typischerweise von einstelligen Prozentwerten bis 15 Prozent.
- Versandkosten: FBA-Gebühr je nach Größen- und Gewichtsklasse, bei FBM Ihr Paketpreis plus Handling.
- Einkaufspreis netto, inklusive Fracht und Zoll, falls Sie importieren.
- Verpackung und Etikett, oft im Cent-Bereich, aber bei dünner Marge relevant.
- Retourenanteil je verkauftem Artikel.
- PPC-Anteil, sofern Sie diesen Artikel bewerben.
Die ersten fünf Positionen kennen Sie aus Ihren Rechnungen. Retouren und PPC muss man umlegen, und genau daran scheitern die meisten Kalkulationen.
Mindestpreis berechnen: Beispiel für einen Artikel zu 29,90 Euro
Alle Werte hier sind Beispielwerte. Die tatsächliche Verkaufsgebühr und die FBA-Gebühr müssen Sie in Ihrem Seller Central für Ihre Kategorie und Größenklasse nachsehen.
Angenommen: Verkaufspreis 29,90 Euro brutto, 19 Prozent Mehrwertsteuer, 15 Prozent Amazon-Verkaufsgebühr, FBA-Gebühr 3,50 Euro, Einkauf netto 12,00 Euro, Verpackung 0,30 Euro, Retourenanteil 0,20 Euro, PPC-Anteil 0,80 Euro.
- Bruttopreis 29,90 Euro, davon 4,77 Euro Mehrwertsteuer, bleiben 25,13 Euro Nettoerlös.
- Amazon-Verkaufsgebühr: 15 Prozent von 29,90 Euro sind 4,49 Euro.
- Stückkosten ohne Amazon-Gebühr: 12,00 + 3,50 + 0,30 + 0,20 + 0,80 = 16,80 Euro.
- Deckungsbeitrag: 25,13 − 4,49 − 16,80 = 3,84 Euro je Verkauf.
Jetzt rückwärts. Gesucht ist der Bruttopreis, bei dem der Deckungsbeitrag exakt null wird. Vom Bruttopreis bleiben nach Steuer 84,0 Prozent, davon gehen 15 Prozentpunkte Verkaufsgebühr ab. Vom Bruttopreis kommen also rund 69 Prozent bei Ihnen an:
Break-even = Stückkosten / 0,69
16,80 / 0,69 = 24,34 Euro. Unter diesem Preis verkauft der Repricer in den Verlust.
Der Mindestpreis liegt darüber. Wollen Sie mindestens 2,00 Euro Deckungsbeitrag je Verkauf, teilen Sie auch diesen Zielbeitrag durch 0,69 und schlagen ihn auf: 2,00 / 0,69 = 2,90 Euro. Ihr Mindestpreis für den Repricer lautet 27,24 Euro. Zwischen 27,24 und 29,90 Euro hat die Automatik Spielraum, darunter nicht.
Retourenquote und PPC-Kosten richtig umlegen
Beide Posten entstehen nicht pro Verkauf, sondern über einen Zeitraum. Sie müssen sie also auf die verkauften Stück verteilen.
Retouren: Nehmen Sie die Retourenquote des Artikels aus den letzten drei Monaten und die Kosten einer einzelnen Rücksendung. Bei 5 Prozent Quote und 4,00 Euro Kosten je Retoure (Rückversand, Prüfung, Neuverpackung, anteiliger Wertverlust bei nicht mehr A-Ware) fallen auf 100 Verkäufe fünf Retouren zu 4,00 Euro an, macht 0,20 Euro je Verkauf. Bei Bekleidung mit 40 Prozent Quote steht dort schnell ein Euro und mehr. Eine Retoure kostet übrigens selten nur Geld: wie eine einzige Retouren-Bewertung Ihre Liquidität einfrieren kann, zeigt der Effekt hinter der Quote.
PPC: Monatliches Werbebudget für genau diesen Artikel geteilt durch die Verkäufe dieses Artikels im selben Monat. 200 Euro auf 250 Verkäufe sind 0,80 Euro je Stück. Nicht das Gesamtbudget Ihres Accounts, nicht die Kampagne für ein anderes Produkt.
Welche Kosten gehören nicht in den Mindestpreis?
Gemeinkosten bleiben draußen. Miete, Steuerberater, Ihr Gehalt, Strom, der Lieferwagen: Diese Kosten fallen an, ob Sie den Artikel verkaufen oder nicht. Sie werden aus dem Deckungsbeitrag aller Artikel bezahlt, nicht in die Stückkalkulation eines einzelnen eingerechnet. Wer sie umlegt, bekommt Mindestpreise, die über dem Marktpreis liegen, und der Repricer steht dann still.
Auch die Kosten Ihres Repricing-Tools gehören nicht hierher. Sie sind eine Fixkostenposition, keine Stückkosten des Produkts. Was die Software je verkauftem Artikel wirklich kostet, rechnen wir separat durch: Repricing-Kosten pro Artikel.
Typische Fehler bei der Mindestpreis-Kalkulation
Der häufigste Fehler ist der pauschale Aufschlag. “Einkauf mal 1,8” klingt praktisch und geht bei jedem Artikel schief, dessen Gebührensatz, Größenklasse oder Retourenquote vom Durchschnitt abweicht. Ein sperriger 12-Euro-Artikel mit hoher FBA-Gebühr braucht einen völlig anderen Faktor als ein leichtes 12-Euro-Teil.
Fehler zwei: die Mehrwertsteuer vergessen. Wer 15 Prozent Amazon-Gebühr vom Bruttopreis abzieht und den Rest für seine Marge hält, rechnet sich um fast ein Fünftel reich.
Fehler drei: den Mindestpreis nie wieder anfassen. Einkaufspreise steigen, Amazon passt Gebühren an, Retourenquoten verschieben sich. Ein Mindestpreis von vor zwei Jahren schützt heute niemanden mehr.
So macht das der PRICEPARSER
Im Detailbereich hinterlegen Sie je Artikel Einkaufspreis, Min-Preis und Max-Preis. Zur Orientierung zeigt das Programm den Wert “Min. Preis ohne Verlust” an, berechnet als EK / 0,6903361, also genau die Umkehrung aus 19 Prozent Mehrwertsteuer und 15 Prozent Amazon-Gebühr. Dieser Wert ist ein Anhaltspunkt, kein fertiger Mindestpreis: FBA, Verpackung, Retouren und PPC müssen Sie selbst in den EK-Block einrechnen, so wie oben in der Beispielrechnung.
Ihre kalkulierten Werte müssen Sie nicht abtippen. Über das Importprofil “Preis Regeln” laden Sie eine CSV mit Artikelnummer, EK-Preis, Min-Preis und Max-Preis, semikolongetrennt. Der automatische Abgleich kann diese Preisregeldatei bei jedem Lauf neu einlesen. Wer seine Kalkulation in Excel oder im Warenwirtschaftssystem pflegt, schiebt geänderte Mindestpreise so ohne Handarbeit in den Repricer. Die Daten bleiben dabei auf Ihrem PC, warum das gegenüber Cloud-Repricern zählt, steht im Vergleich der beiden Modelle.
Preisregeln lassen sich global setzen und pro Artikel überschreiben, Preisabstände getrennt für Standard- und FBA-Konkurrenten. Testen Sie den PRICEPARSER 14 Tage kostenlos und importieren Sie Ihre Mindestpreise direkt aus Ihrer eigenen Kalkulation.
Häufige Fragen
Trage ich den Mindestpreis netto oder brutto in den Repricer ein?
Muss ich den Mindestpreis für jeden Artikel einzeln rechnen?
Was tue ich, wenn mein Mindestpreis über dem Marktpreis liegt?
Brauche ich neben dem Mindestpreis auch einen Maximalpreis?
Weitere Artikel
Versteckte Kosten bei Repricing-Tools
Setup-Gebühren, Marktplatz-Aufschläge, Artikel-Limits: Die versteckten Repricing-Kosten, die Ihre Kalkulation sprengen - und wie Sie sie vorher erkennen.
Weiterlesen →Repricing-Kosten pro Artikel berechnen
Stückkosten-Metrik für Repricing: Kosten je verkauftem Artikel als Kennzahl für echte Wirtschaftlichkeit statt Umsatzprozent.
Weiterlesen →Festpreis vs. Umsatzbeteiligung: Rechnung
Festpreis vs. Umsatzbeteiligung: Break-even-Punkt, Jahresvergleich und Kostenplanung für Amazon-Händler mit konkreten Zahlen.
Weiterlesen →Monatlich kündbar vs. Jahresvertrag
Flexibilität vs. Rabatt bei Repricing-Software: Jahresvertrag, monatliche Kündigung oder Lifetime - Entscheidungshilfe für Amazon-Händler.
Weiterlesen →